1.4301 (V2A, AISI 304): Der Standard-Edelstahl
Was hinter der meistverwendeten Edelstahlsorte steckt: Eigenschaften, Grenzen bei Chloriden und Zerspanung – und wann 1.4305 oder 1.4404 die bessere Wahl ist.
Was 1.4301 ist
1.4301 – Kurzname X5CrNi18-10, international AISI 304, umgangssprachlich „V2A“ – ist der meistverwendete nichtrostende Stahl. Rund 18 % Chrom bilden die selbstheilende Passivschicht, rund 10 % Nickel machen das Gefüge austenitisch: zäh, gut umformbar und bis in Tiefkühlbereiche schlagfest.
Der Name V2A stammt aus den Anfangsjahren („Versuchsschmelze 2 Austenit“) und wird bis heute als Gattungsbegriff verwendet – auf Zeichnungen gehört aber die Werkstoffnummer, denn „V2A“ ist keine Norm.
Eigenschaften im Überblick
1.4301 ist beständig gegen Wasser, Wasserdampf, Luftfeuchte und viele organische wie anorganische Medien – die Basis seiner Karriere in Lebensmitteltechnik, Anlagenbau und Architektur. Im Lieferzustand ist er praktisch unmagnetisch; starke Kaltumformung kann ihn leicht magnetisch machen.
Härtbar ist die Sorte nicht: Ihre Festigkeit steigt nur über Kaltverfestigung. Wer verschleißfeste oder hochfeste Edelstahlteile braucht, greift zu 17-4PH oder anderen Sorten. Und gegen Chloride – Salzluft, Streusalz, Schwimmbad – ist 1.4301 empfindlich: Lochkorrosion ist dann das Risiko, 1.4404 die robustere Wahl.
1.4301 zerspanen
In der Zerspanung zeigt 1.4301 den austenitischen Charakter: lange, zähe Späne und starke Kaltverfestigung der Randzone, wenn Schneiden stumpf werden oder Zustellungen zu zaghaft sind. Scharfe Werkzeuge, stabile Prozesse und konsequente Kühlung sind Pflicht – deshalb kostet Edelstahlzerspanung mehr Maschinenzeit als Baustahl.
Für Serien-Drehteile ohne volle Korrosionsanforderung ist der Automaten-Edelstahl 1.4305 (303) die wirtschaftliche Alternative: Schwefelzusatz bricht die Späne, die Bearbeitungszeit sinkt spürbar. Details zu Sorten und Anfrageweg stehen auf der Seite Edelstahl-CNC-Bearbeitung.
1.4301, 1.4307, 1.4404: die Abgrenzung
1.4307 (304L) ist die kohlenstoffärmere Schwester: bessere Beständigkeit gegen interkristalline Korrosion nach dem Schweißen, sonst nahezu identisch – viele Halbzeuge sind heute ohnehin als 1.4301/1.4307 doppelt zertifiziert. 1.4404 (316L) bringt Molybdän mit und hebt die Chloridbeständigkeit eine Klasse höher.
Die Wahl folgt der Umgebung: Innenräume und normale Atmosphäre → 1.4301. Schweißkonstruktionen mit dicken Querschnitten → 1.4307; im Halbzeug meist ohnehin doppelt zertifiziert, auf der Zeichnung genügt 1.4301. Salzige, chlorhaltige oder chemisch beanspruchte Umgebungen → 1.4404 oder höher. Im Zweifel entscheidet die Einsatzbeschreibung im Hinweisfeld der Anfrage.
Oberflächen für 1.4301
Nach der Zerspanung verstärkt Passivieren die Chromoxidschicht – bei Hygieneanwendungen Standard. Strahlen mit Glasperlen liefert ein gleichmäßig mattes Bild, Bürsten die gerichtete Sichtoberfläche, Schleifen und Polieren definierte Rauheiten.
Brünieren funktioniert auf 1.4301 nicht; dunkle Oberflächen erfordern eigene Schwärzverfahren, deren Machbarkeit im Angebot bestätigt wird.
Bauteile aus 1.4301 anfragen
1.4301 gehört zum bestätigten Werkstoffprogramm: Dreh- und Frästeile ab 100 Stück je Bauteil, gefertigt nach ISO 9001, Ra 0,8 µm ohne Schleifen, Entgraten Standard, Werkstoffzeugnis 3.1 nach EN 10204 auf Anfrage.
Laden Sie Zeichnung und STEP-Modell hoch und nennen Sie Werkstoffnummer und Stückzahl – den Ablauf beschreiben die Seiten Drehteile nach Zeichnung und Frästeile nach Zeichnung.
Weiterführend
Passende nächste Schritte
Edelstahl-CNC-Bearbeitung
Alle bestätigten Sorten von 1.4301 bis 17-4PH mit Anfrageweg.
WeiterlesenDrehteile nach Zeichnung
Wellen, Buchsen und Flansche aus 1.4301 als konkrete Anfrage erfassen.
WeiterlesenOberflächenbehandlung
Passivieren, Strahlen und Polieren für Edelstahl im Überblick.
Weiterlesen
Teile aus 1.4301 anfragen
Zeichnung hochladen, Werkstoffnummer und Stückzahl angeben. Die technische Prüfung ist die Grundlage für Ihr Angebot.
Vertiefung
Worauf Sie achten sollten
Werkstoffnummer statt V2A
„V2A“ ist ein Gattungsbegriff. Auf die Zeichnung gehört 1.4301 – oder gleich 1.4404, wenn die Umgebung es verlangt.
Chloride ernst nehmen
Salzluft, Streusalz und Schwimmbadatmosphäre greifen 1.4301 an – dann 1.4404 wählen.
Serie? 1.4305 prüfen
Der Automaten-Edelstahl senkt die Zerspanungskosten, wenn die Korrosionslast es zulässt.
Fragen
Häufige Fragen
Wofür steht V2A?
Historisch für „Versuchsschmelze 2 Austenit“. Heute ist V2A ein Gattungsbegriff für 18/10-Chrom-Nickel-Stähle wie 1.4301; auf Zeichnungen gehört die Werkstoffnummer, nicht der Handelsname.
Ist 1.4301 magnetisch?
Im Lieferzustand praktisch nicht. Starke Kaltumformung – Biegen, Tiefziehen, auch intensive Zerspanung der Randzone – bildet Verformungsmartensit, der das Teil leicht magnetisch machen kann.
Rostet 1.4301?
Unter normaler Atmosphäre nicht. Chloride können Lochkorrosion auslösen, Fremdrost von Kohlenstoffstahl-Kontakt kann anhaften und weiterrosten. Passivieren nach der Bearbeitung und sauberes Trennen von Schwarzstahl-Werkzeugen beugen vor.
Kann man 1.4301 härten?
Nein, austenitische Stähle sind nicht umwandlungshärtbar. Festigkeit entsteht nur durch Kaltverfestigung. Für harte oder hochfeste Edelstahlteile sind martensitische oder ausscheidungshärtende Sorten wie 17-4PH die richtige Wahl.
Was ist der Unterschied zwischen 1.4301 und 1.4307?
1.4307 (304L) hat weniger Kohlenstoff und ist dadurch nach dem Schweißen beständiger gegen interkristalline Korrosion. Mechanisch sind beide nahezu gleich; viele Halbzeuge sind doppelt zertifiziert.
Ist 1.4301 lebensmittelecht?
Ja, 1.4301 ist in der Lebensmitteltechnik etabliert. Entscheidend sind saubere Oberflächen und die Reinigungsmedien: Bei chloridhaltiger Reinigung ist 1.4404 die sicherere Sorte. Nennen Sie die Anforderung im Hinweisfeld.